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Kuh melken so lange es noch geht!

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In den letzten 3 Jahren verbrachte ich Weihnachten in Singapur. Jedes Jahr gleicht sich dem andern, es ist warm und regnet oft. Die Orchard road die haupt Geschäftsstrasse ist farbenprächtig dekoriert und so viele Leute dass man automatisch nach 2 -3 Stunden das weite sucht im botanischen Garten. Nur eines hat sich kontinuierlich verändert, alles wurde immer teurer. Ich denke da nicht nur an die Taxis und die Hotels, was die Touristen merken sondern auch der Immobilien Mark.

Singapur blickt zurück auf Jahre mit berauschenden Wachstumsraten. Dies führt dazu dass kein Vermieter, sei es für Wohnungen oder Geschäftsräume kaum Verträge über eine Dauer von 2-3 Jahren abschliessen denn kein Vermieter will sich diese Chancen mit einem langen Mietvertrag vergeben.

Die Regierung hat über die Jahre eine perfekte Geldmaschine entwickelt und diese lief auf Hochtouren 24 Stunden 365 Tage im Jahr.

Dieses Jahr empfinde ich die Teuerung als extrem, dazu kommt noch eine Verschlechterung der Geschäftsethik, es wird kassiert wo es nur geht. Die billigen Angebote werden von der Regierung bewusst schikaniert. Denke da an den Malaysischen Flughafen der in 30 Minuten mit dem Auto erreichbar ist. Damit dieser nicht zu beliebt wurde ist es den Taxis von Singapur nicht erlaubt über die Grenze zu fahren und Bussunternehmen bekommen auch keine Bewilligung.

Der Staat schröpft die Einwohner wo er nur kann, es hat schon was von einem gierigen Fürstentum wie wir es aus den Geschichtsbücher kennen. Ich glaube die Versuchung es dem Staat gleich zu machen ist hoch, jedenfalls komme ich mir vor wie eine Kuh die gemolken wird bis sie davon rennt.

Die Restaurants sind extrem teuer geworden, für jedes kleine Ding wird saftig separat verrechnet, sei es nur das Brot, sprechen wir nicht vom Wein wenn die Flasche Mineralwasser mit 19 Dollar auf der Quittung zu finden ist. Da fragt man sich ob der Wirt seit dem letzten Jahr Größenwahn bekam oder ob der arme Kerl einen neuen Mietvertrag unterzeichnen musste.

Sogar in den berühmten und beliebten „Foodcourts“ eine Art öffentliche Kantine wo an den Seiten Nudelsuppen, Reis, Dumpling’s etc. verkauft werden, gibt es die Servietten nur noch gegen Bezahlung. Stellen sie sich vor, sie haben gerade eine paar Portionen von diesen Köstlichkeiten bestellt und bezahlt und fragen nach einer Serviette, da diese beim besten Willen nicht zu finden sind.Die Antwort kommt prompt im typischen Singlish: „Cannot, no have, you buy!“ und zeigt mit der Hand zum Getränke Stand.

Wenn die „Foodcourt’s“ sogar aus den Servietten Geld machen wollen, gehe ich nicht davon aus, dass die lokalen Banken nur konservative Anlagen im Angebot haben, das Glücksspiel ist zwar verboten gehört hier aber zum Volkssport.

Wie lange kann das so weiter gehen, irgend wann muss doch ein Ende kommen? Irgend wann wird aus dem wirtschaftlichen Traum ein Alptraum. Sind wir nun kurz davor? Ich glaube es hat was, denn was wir dieses Jahr in Singapur erlebt haben ist weit weg entfernt von gut und böse.

Nun sitze ich Im Flieger unterwegs nach Laos um ein paar Tage unberührtes Asien zu erleben. Hoffe, dort die Welt noch einigermaßen in Ordnung anzutreffen und lese gerade die Singapur Wochenend-Ausgabe der Financial Times. Auf der Titelseite wird nun auch die Krise in Singapur angemeldet, wurde auch langsam Zeit!

Die Wirtschaft soll im 2009 um 2% einbrechen, Im letzten Quartal sanken die private Immobilienpreise um 5.7 % das schlechteste Quartal seit man sich erinnern kann. Die Analysten glauben zu wissen dass der gesamte Immobilienmarkt um 10 – 20 Prozent zurück gehen wird, was passiert mit den Immobilienpreisen, kommen die auch runter?

Das kommt mir irgendwie sympathisch vor wenn ich an die horrenden Mietzinsen und die kurzen Fristen bei den Mietverträge denke.

Der weltweite Ölkonsum sinkt weiter, das hören wir auch Zuhause, nichts neues, lese weiter: Der lokale Riese SembCorp ein Big-Player im Ölborinselnbau, bekam im letzten Quartal keinen neuen Auftrag. Es kommt noch schlimmer, die Analysten gehen davon aus, dass es Singapur unter den Asiatischen Wirtschaftszentren am stärksten treffen wird. Irgendwie wundert mich das nicht.

Ich frage mich nun ob das wirklich schlechte News sind? Für die billigen Arbeitskräfte aus Indien und dem benachbartem Malaysia sicher. Ein paar grosse und viele kleine Investoren wird es sicher hart treffen wenn es nicht schon passiert ist.

Frage mich aber auch ob es wirklich eine Krise braucht damit wir wieder zur Vernunft kommen vielleicht ist die Wirtschaftskrise auch eine Chance. komisch irgendwie freue ich mich auf die gratis Servietten in Laos.

Grüsse aus Asien

Jürg Kaufmann

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